1. größerer Störfall in Melzdorf!
 
      Laut FNR-Statistik kommt es zu 1,2 Störfällen pro 10kwel im Jahr
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Wir werden euch hier die ganze Geschichte erzählen wie wir sie am 22.04.2014 erlebt haben.

Aber vorab müssen wir kurz Stellung nehmen zu den Aussagen aus den Berichten im Internet!

1.) Wir widersprechen dem Regierungspräsidium. Wir haben uns die Begrifflichkeit ja nicht ausgedacht. Man kann das passierte durchaus als "Störfall" bezeichnen und verweisen hier auf die "Biogas-Basis-Daten aus 2010. Erstellt durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR). Mit Förderung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Zitat: (Stand: Juni 2010): "Pro Jahr ist durchschnittlich mit 1,2 Störfällen je 10 kWel zu rechnen." Diese Begrifflichkeit wurde nicht abhängig davon gemacht, dass die Anlage unter die Störfallverordnung fallen muss.

Also das BHKW in Melzdorf hat 440KW elektrische Leistung. Das bedetuet, dass im Schnitt ca. 53 Störfälle pro Jahr anfallen.

2.) Qualität der Anlage (kaputtes Rührwerk!)

Zitat aus dem Bericht auf www.osthessen-news.de

"Unterdessen wehrte sich Christian Bug, Betreiber der Biogasanlage im Gespräch mit osthessen-news.de: "Die Vorwürfe sind absolut haltlos - es wurde lediglich ein Teil des Rührwerks ausgetauscht." Dies sei eine routinemäßige Reperatur gewesen, da in der Baureihe häufig Fehler beim Rührwerk auftreten würden. "Für Anwohner gab es keine Gefahr. Die Ausführungen der Bürgerinitiative sind lächerlich",

Erst einmal ist Herr Christian Bug kein Betreiber der Anlage, allerhöchstens Angestellter der Betreiber GbR. Sein Name taucht nicht im GBR Vertrag auf. Zweitens ist die Aussage von Herr Bug doch selbstredend und stützt unsere schon seid langem aufgeführten Bedenken gegen die Qualität solcher Anlagen. Herr Bug sagt doch selbst "da in der Baureihe häufig Fehler beim Rührwerk auftreten". Ja warum wurde dann so ein Bauteil verbaut? Na klar, wahrscheinlich weil es billig war!

Vor allem wenn man bedenkt, dass die Anlage erst knappe 6 Monate (25.10.2014) in Betrieb ist. Wenn man im Internet sucht sind 5-6 Jahre im Schnitt genannt. Dann wird eine  präventive Wartung empfohlen!

Unsere Vermutungen werden auch durch die Kommission für Anlagensicherheit (KAS) beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unterstützt, die bereits im Juni 2009 bei der Mehrzahl (ca.80%) aller nach §29a BImSchG geprüften Biogasanlagen bedeutsame Mängel festgestellt hat. Die häufigsten Schwachpunkte lagen im Bereich Gasexplosionsschutz und Auslegung der Komponenten. Das Merkblatt kann man sich hier herunterladen.

Da muss man nicht weiter reden!

3. Es bestand absolut "Explosionsgefahr" während der Arbeit am offenen Fermenter!

Auch hier widersprechen wir den Aussagen von Herr Christian Bug und dem RP Kassel (Umweltabteilung).

Zitat:" „Es bestand im Zusammenhang mit dem Ausfall des Rührwerks und seiner Instandsetzung keinerlei Gefahr", teilt die Umweltabteilung des Regierungspräsidiums Kassel dazu mit. "

Das Zitat stammt aus dem Bericht auf www.osthessen-news.de

Wir begründen dies wie folgt:

3.1.) Unstrittig ist folgendes (wurde von der Betreiber GbR und dem RP Kassel nicht bestritten, bzw. nicht nachgewiesen dass es nicht so ist!)

a.) Es wurden bis zu 1.294 Kubikmeter Gärsubstrat, das noch voll in der Vergärung ist, aus dem Fermenter abgepumpt und auf einem Acker am Ortsausgang von Melzdorf Richtung Margretenhaun ausgebracht. Das heißt das Gärsubstrat erzeugt auch auf dem Acker weiter umweltschädliches Methan. Was wie allseits bekannt 21-25 Mal umweltschädlicher ist als CO2. (siehe nachfolgende Fotos).

Umpungen Gärsubstrat von LKW in Güllefass
22.04.2014 Umpungen Gärsubstrat von LKW in Güllefass
Gärsubstrat wird auf Ackerfläche ausgebracht
22.04.2014 Gärsubstrat wird auf Ackerfläche ausgebracht
Abpumpen des Gärsubstrates aus dem Fermenter
22.04.2014 Abpumpen des Gärsubstrates aus dem Fermenter

b.) Die Haube des Fermenter wurde geöffnet und bis zu 472 Kubikmeter Methangas (Biogas) sind an die Umgebung abgelassen worden. Am geöffneten Fermenter wurde dann das Rührwerk getauscht. Das kann man oben auf dem Bild sehen. Man sieht einen Auslegerarm und ein Mann der etwas daran befestigt.

Die Biogasanlage ist in der Lage über 4 Tonnen Biogas zu speichern! Das sind über 3000 Kubikmeter Methangas!

3.2 Das eine Explosionsgefahr bei Biogas besteht ist allgemeiner Kenntnisstand. Nachfolgend kurz zusammengefasst die wichtigsten Gefahren von Methangas.

Gefährliche Gase im Fermenter:

  • Methan - Explosionsgefahr
  • Kohlendioxid - Erstickungsgefahr
  • Ammoniak und Schwefelwasserstoff - Vergiftungsgefahr und Explosionsgefahr

Der offene Fermenter in Melzdorf bildet da keine Ausnahme. Googelt einfach mal und ihr findet dazu jede Menge.
Oder schaut bei uns unter den negativen Aspekten von Biogasanlagen nach.

3.3 Die spezielle örtliche Situation und aktuelle noch nicht erfüllte Auflagen!

Von besonderer Bedeutung für die Einschätzung ist die spezielle örtliche Gegebenheit und die Lage der Biogasanlage.
Wie man auf dem oberen Bild gut sieht, geht ein öffentlicher Wirtschaftsweg direkt mitten durch die Biogasanlage (Agro-Methangasanlage). Das heißt jeder kann diesen Weg nutzen und bewegt sich ca. 5-10m am Fermenter vorbei. Es gibt keinerlei Abgrenzungen, man hat freien Zugang zu allen Teilen der Biogasanlage. Im schlimmsten Fall  es ein rauchender Bürger oder Kinder die auch nicht erkennen können, dass es sich unmittelbar an einer Explosionschutzzone entlang bewegen. In einer Explosionsschutzzone, ist z.B. nicht einmal ein normales Handy erlaubt. Dieses muss explosionsgeschützt sein.

Die Bürgerinitiative fordert schon seid langem eine entsprechende Schutz-Umzäunung der gesamten Anlage. Leider ist das bis heute nicht passiert.

Die Bürgerinitiative hat inzwischen erfahren, dass im Rahmen der sicherheitstechnischen Überprüfung der Anlage entsprechend einer Auflage der Genehmigung vom 17.07.2013, eben dies auch als Mangel festgestellt wurde.
Diese Überprüfung fand bereits im Januar 2014 statt, aber bis heute ist nicht passiert. Es sieht so aus, als ob auch das Regierungspräsidium Kassel nicht an einer Umsetzung interessiert ist.

3.4 Feuerwehr und fehlende Information der Anwohner durch die Betreiber Bug Bionergie GbR.

Auch wenn es laut Genehmigungsbehörde nicht notwendig ist, die Feuerwehr zu informieren, verwundert dass schon sehr. Bei jeder Kirmes, oder wie ihr alle sicher noch gut im Gedächtnis habt, bei jedem Hutzelfeuer muss die Feuerwehr vor Ort sein. Aber bei einer Gasmenge von 4 Tonnen ist das nicht notwendig. Ja dass soll uns mal einer genauer erklären!

In Kenntnis der Lage im Dorf, verwundert es ebenso sehr, dass die Betreiber die Anwohner der Biogas-Anlage nicht vorher über den Störfall informiert haben, um eine Gefährdung zu minimieren. Das zeugt nicht unbedingt von Verantwortungsbewußtsein. Ausschliessen kann man eine Gefährdung aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Wohnbebauung aber nicht.

4.) Die Aussage von Herr Landrat Woide und der Unterschied zwischen "schein und sein"!

Was hat er wo gesagt?

Quelle: fuldainfo.de

Artikel: Biogasanlage Melzdorf: Rührwerk führte zu einer Betriebsstörung

Zitat aus dem Artikel:

"....Wie uns Landrat Woide auf Anfrage mitteilte, unterliegt die Ausbringung von Gärresten auf Ackerflächen unterliegt den Vorschriften der Düngeverordnung, deren Einhaltung vom Landkreis Fulda überwacht wird. Der Landkreis Fulda hat einen diesbezüglichen Ortstermin durchgeführt. Hierbei konnte kein Verstoß gegen die rechtlich vorgeschriebene Einarbeitungsfrist des Gärsubstrats festgestellt werden..."

Wir begründen unsere Aussage wie folgt:

4.1 Wer ist zuständig?
Richtig ist, dass der Landkreis Fulda, hier der Fachdienst Landwirtschaft für die Überprüfung (Düngeverordnung) der Einarbeitungsfrist bei flüssigem Wirtschaftsdünger auf unbestelltem Ackerland zuständig ist. Das wurde uns auch so direkt vom Landkreis Fulda per e-mail bestätigt.

4.2 Was besagt die Düngeverordnung?

Auszug aus dem,

"hessischen Leitfaden zur  Umsetzung der Düngeverordnung vom 10.01.2006  (zuletzt geändert im März 2012)"

Das Originaldokument kann man sich hier  herunterladen.

Zita aus Seite 19:

"(Abs.2)Gülle, Jauche, sonstige flüssige organische oder organisch-mi-neralische Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem N (mehr als 10 % CaCl2-löslich bei einem Ges. N-Gehalt von mehr als 1,5 %)oder Geflügelkot müssen auf unbestelltem Ackerland unverzüglich eingearbeitet werden.

Zu § 4, Abs.2: Dabei Zeitpunkt, Ausbringverfahren und aktuelle Witterung berücksichtigen. Die Einarbeitung muss unverzüglich, d.h. 4 Stunden nach Beginn der Ausbringung abgeschlossen sein. Ob die Einarbeitung von Gülle, Jauche oder anderen flüssigen organischen Düngern mit wesentlichem Gehalt von 1,5 % Stickstoff am Gesamt N Gehalt in einem Arbeitsgang oder in einem absetzigen Verfahren durchgeführt wird, ist von den betrieblichen Voraussetzungen abhängig.

Zeitpunkt, Ausbringungverfahren und die aktuelle Witterung bieten hier keinerlei Anlass für eine Ausnahme.

Aufgrund der Emmissionen ist hier eher eine kürzere Zeit angebracht.

4.3. Die Ausbringung des Gärsubstrates am 22.04.2014 und Einhaltung der Düngeverordnung!

Die nachfolgenden 4 Fotos zeigen, dass Gärsubstrat über den Vormittag auf die Felder gefahren wurde, aber selbst nach fast 7 Stunden noch nicht einmal mit der Einarbeitung des Gäsubstrates begonnen wurde.

Gärsubstratausbringung am Morgen des 22.04.2014
Gärsubstratausbringung am Morgen des 22.04.2014
Gärsubstratausbringung am Morgen des 22.04.2014 gute 2 Stunden später
Gärsubstratausbringung am Morgen des 22.04.2014
Gärsubstratausbringung
Gärsubstrat am Mittag des 22.04.2014
Gärsubstratausbringung am Morgen des 22.04.2014
Gärsubstrat ist auch nach ca. 7 Stunden nicht eingearbeitet.

Das bedeutet nochmal im Klartext: Obwohl es in der Düngevordnung heitß:Die Einarbeitung muss unverzüglich, d.h. 4 Stunden nach Beginn der Ausbringung abgeschlossen sein, ist nach 7 h nicht mal damit begonnen worden.

Die Düngevordnung ist also ganz eindeutig nicht eingehalten worden. Und dass ganz im Zeichen der erneuerbaren Energien und des Umweltschutzes!

4.4 Benachrichtigung des Landratsamt und deren Antwort!
Nach dem eindeutigen Verstoss haben sich Mitglieder des Vorstandes am Nachmittag beraten und beschlossen diesen an die zuständigen Behörden zu melden. Neben dem Verstoß gegen die Düngeverordnung muß auch noch erschöpfend geklärt werden ob das ausgebrachte Gärsubstrat überhaupt Dünger ist. Von verschiedenen Seiten wurde an uns herangetragen, dass Gärsubstrat unter das Abfallrecht fällt und dementsprechend entsorgt werden müßte! Anders als Gärreste.

Die E-Mail der Bürgerinitiative über diesen Vorgang inkl. Fotomaterial wurde dann gegen 16:30 an die unterschiedlichen Behörden versendet. Und um eine schriftliche Empfangsbestätigung gebeten.

Ebenfalls am Nachmittag began die Betreiber GBR mit dem Einarbeiten des ausgefahrenen Gärsubstrates.

Am 23.04.2014 ( Gesendet: Mittwoch, 23. April 2014 15:07) erhielten wir dann eine Empfangsbestätigung vom Landkreis Fulda - Fachdienst Landwirtschaft mit folgende Wortlaut:

"hiermit bestätigen wir Ihnen den Erhalt Ihrer unten stehenden mail incl. mehrerer Fotos im Anhang bezüglich der Ausbringung von Gärsubstraten der Bioenergie Bug GbR. Die Überprüfung der Einarbeitungsfrist bei flüssigem Wirtschaftsdünger auf unbestelltem Ackerland obliegt unserem Fachdienst. Dazu hat heute morgen ein Kollege des Fachdienstes Landwirtschaft nach Erhalt Ihrer mail unbestellte Flächen der Bug GbR in Augenschein genommen. Die Ergebnisse finden bei der weiteren Bearbeitung Berücksichtigung."

4.5 Prüfung vor Ort durch das Landratsamt Fulda
Als erstes ist es lobenswert, dass das Landratsamt Fulda (Fachdienst Landwirtschaft) unsere E-Mail ernst genommen hat und vor Ort eine in Augenscheinnahme der unbestellten Flächen der Bug GbR durchgeführt hat. Der Fachdienst Landwirtschaft wußte ja nicht, dass die betroffene Fläche am Nachmittag des vorhergehenden Tages (22.04.2014) bereits bearbeitet wurde.

4.6 Die Bedeutung der Aussage von Herr Landrat Woide!

Nochmal den Passus von Herr Landrat Woide: "...Der Landkreis Fulda hat einen diesbezüglichen Ortstermin durchgeführt. Hierbei konnte kein Verstoß gegen die rechtlich vorgeschriebene Einarbeitungsfrist des Gärsubstrats festgestellt werden..."

Durch den hier veröffentlichten Ablauf ist klar, dass die Aussage von Herr Woide vollkommen in Ordnung ist. Die Aussage von Herr Woide scheint allerdings den Eindruck zu vermitteln, dass alles in Ordnung ist. Das dem jedoch in keinster Weise so ist ist jedem klar, der diesen Artikel gelesen hat. Aber wir wollen nochmal kurz zusammenfassen.

1. Das Gärsubstrat wurde am 22.04.2014 ausgebracht, aber nicht wie in der Düngevordnung innerhalb von 4 h vorgeschrieben eingearbeitet.

2. Am Nachmittag hat die Betreiber GbR mit der Einarbeitung begonnen und diese am 22.04.2014 abgeschlossen.

3. Eine Begehung der Ackerflächen durch den Fachdienst fand am 23.04.2014 statt. Der Fachdienst konnte vor Ort also gar keinen Verstoß mehr feststellen.

4. Zum Glück aber hat die BI-Meldzorf den Vorstoß am 22.04.2014 ausgiebig dokumentiert.

Nächstes großes Thema (Hat nichts mit dem hier aufgeführten Störfall zu tun): Die Nichteinhaltung der hydraulischen Verweilzeit von 150 Tagen und warum das anscheinend keinen interessiert. Wer muss zahlen? Na klar wir alle! Alles dazu demnächst ausführlich hier im Portal!