Neubaugebiet Petersberg - Haundedorf "Am Sandfeld"




  Neubaugebiet "Am Sandfeld"

 
      Mögliche Auswirkungen auf das Neubaugebiet
 

In den letzten Wochen wurden wir verstärkt von Interessenten an einem Bauplatz im Neubaugebiet "Am Sandfeld" in Almendorf (Petersberg / Haunedorf) angesprochen und/oder angemailt. Der Tenor ist eigentlich immer ähnlich. Wir würden ja gerne einen Bauplatz erwerben, die Gegend ist schön, die Menschen sind nett, aber wir haben Bedenken wegen der geplanten Biogasanlage und deren möglichen Auswirkungen.

Dann kommen die Fragestellungen an uns. Wird die Anlage nun gebaut oder nicht? Seht Ihr eine Möglichkeit die Anlage jetzt noch zu verhindern. Welche Auswirkungen hat die Biogas - Anlage auf das Neubaugebiet Sandfeld etc.  Eine Vielzahl an Fragen hat uns so erreicht.

Also haben wir uns dazu entschlossen diese Fragen mal zusammenzufassen und Sie euch hier rein aus der Sicht der Bürgerinitiative Melzdorf zu beantworten.

Wir wollen eure Entscheidung für oder gegen einen Erwerb eines Bauplatzes im Sandfeld nicht beeinflussen, sondern lediglich Eure Fragen aufgrund unserer Wissensbasis und aus unserer Sicht beantworten. Ob unsere Argumente oder unsere Ansicht von Belang für Eure Entscheidung sind bzw. ist, müsst Ihr ganz für Euch entscheiden!

Folgende Fragenstellungen haben wir mal zusammengetragen:

  • Wo ist der Standort der Anlage und wie weit ist Sie vom Neubaugebiet "Am Sandfeld" entfernt?
  • Wo liegen die nächsten Ackerflächen (Ausbringungsflächen der Gärreste) der angehenden Betreiber und wie weit sind diese vom Neubaugebiet "Am Sandfeld" entfernt?
  • Welche Geruchsbelästigung entsteht nach Eurer Meinung am Neubaugebiet "Am Sandfeld"?
  • Mit welcher Lärmbelastung muss man nach Eurer Meinung am Neubaugebiet "Am Sandfeld" rechnen?
  • Welche Folgen hätte eine Havarie der Biogas - Anlage, insbesondere für das Neubaugebiet?
  • Wie seht Ihr die Explosionsgefahr (Vergiftungsgefahr) einer solchen Biogasanlage und welche Folgen könnte das auch für das Neubaugebiet haben?
  • Was ist mit den Immobilienwertverlust. Kann man den beziffern, bzw. ist er überhaupt vorhanden?
  • Wie seht Ihr das Thema Gärreste - und Chronischer Botulismus, EHEC etc.. Können wir überhaupt im Sandfeld davon betroffen sein?
  • Wie schätzt Ihr eine mögliche Trink- bzw. Grundwasserbelastung bei uns ein?
  • Wie seht Ihr  mögliche Gesundheitsgefährdungen durch Ammoniak, Formaldehyd, Endotoxine, etc. ?
  • Wird die Biogasanlage jetzt wirklich dort gebaut?
  • Könnt Ihr die Biogasanlage jetzt noch verhindern, obwohl bereits eine endgültige Baugenehmigung durch das RP Kassel erteilt wurde?

Nachfolgend unsere Antworten dazu!

Wo ist der Standort der Anlage und wie weit ist Sie vom Neubaugebiet entfernt?


Der Standort der Biogasanlage ist im roten Bereich "Rot". Die Entfernung haben wir mal mit Google Earth überschlagen und gute 300 m bis zum Neubaugebiet "am Sandfeld" ermittelt. Bis ans ganz untere Ende des Neubaugebietes "Am Sandfeld" ist der Abstand dann dementsprechend größer.

Wo liegen die nächsten Ackerflächen (Ausbringungsflächen der Gärreste) der angehenden Betreiber und wie weit sind diese vom Neubaugebiet "Am Sandfeld" entfernt?


Wir haben die Ackerflächen, die im Besitz der angehenden Betreiber sind, und am nächsten zum Neubaugebiet "Am Sandfeld" liegen mal Gelb eingefärbt. Hier haben wir eine Entfernung von unter 100 m ermittelt. Nicht markiert haben wir weitere Pachtflächen der Bug GbR.

Welche Geruchsbelästigung entsteht nach Eurer Meinung am "Am Sandfeld"?


Von der Geruchsbelästigung ist vor allem Melzdorf betroffen, da die vorherrschende Windrichtung Süd-West ist also Richtung Melzdorf geht. Wir sehen trotzdem die Möglichkeit gegeben, dass durch die geplante Anlage eine Geruchsbelastung des Neubaugebietes aufgrund der geringen Entfernung zu dieser gegeben sein kann.

Schaut man sich im Internet mal um, so wird mal auch schnell auch bei Betreiberseite fündig, die in Vorträgen die möglichen Ursachen von Geruchsbelästigungen aufführen und mögliche Wege zur Beseitigung oder Rechtfertigung anführen.

Als Ursache für Geruchsbelästigungen würden wir mal zusammenfassen:

  • Nicht ordnungsgemäß abgedeckte Silagen - was hier in Melzorf aktuell der gängigen Praxis entspricht. Wirkt sich aber auf das Neubaugebiet "am Sandfeld" nach unserer Ansicht wahrscheinlich nicht aus.
  • Anlieferung von Substraten (Gülle etc.). Auswirkungen für das Neubaugebiet eher nein.
  • Bei Störungen in der Biogasanlage ist es durchaus noch gängige Praxis, dass das sogenannte Biogas (Methangas) einfach freigesetzt wird, obwohl auch evtl. schon Notfackeln vorhanden sind. Bei einem solchen Fall ist nach Ansicht der Bürgerinitiative auch eine Belastung des Neubaugebietes nicht auszuschliessen, da wir diese Gerüche als besonders unangenehm ansehen.
  • Schlecht vorhersehbar sind Emissionen von Methangasbestandteilen die aus Gärrestlagern oder auch Fermentern diffundieren. Hier ist beim Auftreten solcher Gerüche aber aufgrund der Windrichtung und der Lage zum Dorf Melzdorf betroffen.
  • Als problematisch gelten die Abgase bei der Verbrennung des Biogases, also die beim verstromen entstehen. Hier wurden schon Werte von mehreren Tausend Geruchseinheiten pro Kubikmeter festgestellt. Deshalb wird der Schornstein auch mit geplanten 13m sehr hoch gebaut. Auch hier sind aufgrund der Umweltbedingungen die Melzdorfer betroffen.
  • Das Ausbringen der Gärreste auf den Äckern sieht die Betreiberseite eher als unkritisch. Hier kommt immer das Argument: "Bei der Ausbringung von Gärresten anstatt von Gülle entsteht viel weniger Geruch, da die Gärreste nur einen minimalen Eigengeruch haben." Die Realität sieht aber auch öfters mal anders aus, dann werden Gärreste ausgefahren die z.B. nicht ordentlich vergärt wurden. Das ist dann nicht mehr wirklich schön. Aufgrund der geringen Entfernung zu den Ausbringungsflächen kann es also sporadisch mal zu Geruchsbelästigungen kommen.
Mit welcher Lärmbelastung muss man nach Eurer Meinung im Neubaugebiet rechnen?


Einen Wert in Dezibel können wir euch hier sicher nicht nennen. Es gibt hier verschiedenste Einflußgrößen und unterschiedliche Lärmarten die sich auf eine mögliche Lärmbelastung auswirken. Bevor wir unsere Sicht der Dinge anbringen möchten wir hier Herr Wolfgang Weber zitieren. Herr Weber ist beim Regierungspräsidium Kassel für die Genehmigung der Biogasanlage zuständig. Seine Aussage hat er im Hessischen Wochenblatt vom 23.03.2012 gemacht: Auszug:"...Die Geräuschverteilung im Umfeld einer Anlage ist keineswegs gleichmäßig – natürliche Abschattungen können die Ausbreitung von Lärm stark dämpfen, das solle man „gleich zu Beginn der Planung berücksichtigen, später wird es sonst schwieriger“. Offene Fluchten dagegen erlauben weite Verbreitung und „man kann nicht sagen, ich bin 600 Meter entfernt und habe deshalb keine Probleme“. Weber berechnet es beispielhaft für zwei Blockheizkraftwerke einer Biogasanlage mit jeweils 80 dB(A) Motorengeräusch. Im ungünstigsten Fall wird erst in einem Abstand von vier Kilometern der nächtliche Richtwert für Dorfgebiete von 45 dB(A) eingehalten...."

Die Bürgerinitiative sieht vor allem folgende Ursachen für eine Lärmbelastung:

  • Verkehrslärm durch die Zufuhr der Gülle
  • Verkehrslärm durch die Befüllung der riesigen Maissilos in der Erntezeit
  • Verkehrslärm durch die tägliche Bestückung der Anlage
  • Dauerlärm durch die Motoren der Biogasanlage (Turbinen zur Stromproduktion). Dieser ist besonders kritisch zu sehen da die Anlage 24 Stunden jeden Tag und 7 Tage die Woche läuft.

Die Lärmbelastung wird zum großen Teil Melzdorf abbekommen. Ähnlich wie beim Geruch, bedingt durch die Windrichtung und dadurch, das Melzdorf unterhalb der geplanten Biogas - Anlage liegt.

Ausnahme ist hier möglicherweise aber der tieffrequente Lärm (Infraschall):  Den Geräusche bei tiefen Frequenzen können sich  auch über große Entfernungen kilometerweit nahezu ungehindert ausbreiten.

Zur Genehmigung eine Biogasanlage müssen die Werte der TA Lärm eingehalten werden. Aber selbst das Bundesumweltamt sagt:"...Wahrnehmung und Wirkungen Tieffrequente Geräuschemissionen führen in der Nachbarschaft vielfach auch dann zu Klagen und Beschwerden, wenn die  anzuwendenden Beurteilungskriterien nach den eingeführten Regelwerken (z.B. TA Lärm) eingehalten sind..."

Detaillierte Infos zu dem Thema (inkl. der Quellen) findet Ihr auf unserer Seite im Abschnitt: Tieffrequenter Lärm: Infraschall.

Welche Folgen hätte eine Havarie der Biogas - Anlage, insbesondere für das Neubaugebiet?


Da Gülle (Sch....) ja bekanntlich den Berg herunter fließt, wird eine Havarie wahrscheinlich keine Auswirkungen auf das Neubaugebiet "Am Sandfeld" haben. Betroffen sind hier die Einwohner Melzdorf und natürlich die Natur (Sommersbach, Haune und Haunestausee). Getreu nach dem Satz eines Anwohners, der der BI nicht gerade wohlgesonnen ist: „…Sicher wäre eine Überschwemmung des Ortskerns ein bereinigender Vorgang für die allgemeine Situation...“

Wie seht Ihr die Explosionsgefahr (Vergiftungsgefahr) einer solchen Biogasanlage und welche Folgen könnte das für das Neubaugebiet haben?


Sollte es zu einer Explosion (Vergiftung) kommen, wären nach Ansicht der BI auch 300 m und mehr keine sichere Entfernung. Die Gretchenfrage ist aber hier eher wie realistisch ist die Explosionsgefahr. Diese ist zwar sehr schwer einzuschätzen und hängt auch von vielen Faktoren ab, aber wir sehen diese durchaus als gegeben an.

Nach unserer Einschätzung ist eine mögliche Explosionsgefahr (Vergiftung durch Schwefelwasserstoff) u.a. von den folgenden Faktoren abhängig:

  1. Die Biogasanlage selbst - d.h. wie zuverlässig sind die Anlagen?
  2. Der Anlagenbetrieb - wie wird die Anlage geführt?
  3. Welche gefährlichen Stoffe entstehen beim Gärprozess und was kann damit passieren?

Nachfolgend wollen wir zum besseren Verständnis näher auf die 3 Punkte eingehen:

1.) Biogasanlage - Zuverlässigkeit und Sicherheit:

a.) Die Kommission für Anlagensicherheit (KAS) beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hat im Juni 2009 bei der Mehrzahl (ca.80%) aller nach §29a BImSchG geprüften Biogasanlagen bedeutsame Mängel festgestellt. Die häufigsten Schwachpunkte lagen im Bereich Gasexplosionsschutz und Auslegung der Komponenten. Das Merkblatt kann man sich hier herunterladen.

Wenn eine Anlage dann erst einmal in Betrieb ist, gibt es keine Regeln wie man Sie z.B. beim Auto kennt. Gemeint ist natürlich der TÜV im Normalfall alle 2 Jahre. Bei solch einer komplexen Biogas - Anlage sind nach unserem Kenntnisstand alleine die Betreiber für den Zustand der Anlage verantwortlich. Natürlich dann auch in der Haftung. Das können wir so nicht verstehen und fordern auch einen TÜV für Biogasanlagen, der sicher im Sinne (Betreiber, Anwohner und Umwelt) wäre.


b.) Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) teilt in ihrer Broschüre "Biogas Basisdaten Deutschland" (Stand: Juni 2010) mit: Pro Jahr ist durchschnittlich mit 1,2 Störfällen je 10 kWel zu rechnen. Das bedeutet für eine Anlage mit 500 kWel immerhin 60 Störfälle. Hoch gerechnet auf die in Deutschland installierte Leistung von etwa 2.300 MW kommt es in Deutschland geschätzt alle 2 Minuten zu einem Störfall.

2.) Betrieb der Biogasanlage:

Problematisch sehen wir auch den Betrieb einer solchen Anlage.

Für denjenigen, der solch eine Biogasanlage führt und betreibt gibt es keine Vorschriften in Bezug einer fundierten Ausbildung. D.H. im Normalfall bekommen die Betreiber eine kurze Einweisung (Schulung) durch den Anlagenhersteller und dürfen die Anlage dann in Betrieb nehmen. Eine sehr komplexe Anlage mit sehr hohem Gefährdungspotential für Umwelt und Mensch.

Um das nochmal klar zustellen: Es ist also keinerlei verpflichtende Ausbildung notwendig, wie das z.B. bei einem Maschinenführer in einem Produktionsbetrieb üblich ist. Auch gibt es hier keinen Führerschein den man machen muss,  wie man Ihn etwa zum Fahren eines Traktors oder Autos benötigt.

Dies fördert nicht gerade das Vertrauen in solche Biogas-Anlagen, wenn es möglich ist, diese ohne Fachwissen und Ausbildung zu betreiben.

In die gleiche Richtung geht auch ein aktueller Bericht im Spiegel vom 16.07.2012 mit dem Titel „Die Bauernopfer“. Zitat:“….Gärtanks explodieren, Gülle oder Gärreste laufen aus und vergiften Bäche – fast wöchentlich havarieren Biogas-Anlagen. Schuld sind Schlamperei und Unwissen der Landwirte…“

Hier wird auch auf dieses Thema eingegangen. Fazit auch hier: Eine Art Führerschein muss her.

3.) Explosionsgefahr und Vergiftungefahr durch die Inhaltsstoffe einer Biogas-Anlage

In einer Biogasanlage wird ja bekanntlich Biogas, also Methangas erzeugt, dass dann meistens in einem Blockheizkraftwerk verbrannt wird um so elektrischen Strom zu erzeugen.

Das Biogas, das in einer Biogas-Anlage entsteht hat in etwa folgende Zusammensetzung:
Der Methananteil im Biogas liegt je nach Einsatzstoff bei 40 bis 75%. Der Rest sind Kohlendioxid 25-55%, Schwefelwasserstoff 50-5000ppm, Ammoniak 0-1%, Wasserdampf 0-10%, Stickstoff 0-5%, Sauerstoff 0-2%, Wasserstoff 0-1%.

Vor allem 3 Inhaltsstoffe sind hier kritisch zu sehen. Nämlich Methan, Schwefelwasserstoff und Kohlenstoffdioxid.

 Methan 

Kurze Exkursion:

In Bergwerken kommt Methan bekanntlicherweise ja natürlich vor. Es ist hochentzündlich und immer wieder Ursache für sog. Schlagwetterexplosionen.

Schlagwetter oder schlagende Wetter sind Begriffe aus der Bergmannssprache. Sie bezeichnen im Kohlebergbau, jedoch auch im Salz- und Erzbergbau, unter Tage austretendes Grubengas (Methangas), welches, mit Luft gemischt, explosiv reagiert (Schlagwetterexplosion). Als Wetter bezeichnet der Bergmann die Gesamtheit der in einem Bergwerk befindlichen Luft. Quelle: Wikipedia

Die Methanerzeugung in einer Biogasanlage erfolgt unter Luftausschluss. Gelangt nun das Gas an die Luft kann es zu einer Explosion kommen. Ein explosives Gas-Luftgemisch liegt dann vor, wenn die Konzentration von Methan in der Luft zwischen 4,4 - 16,5 Volumen %  beträgt. Kommt jetzt noch eine Zündquelle (z.B. Flamme, Zigarette etc.) dazu kommt es zur Explosion. In der geplanten Biogasanlage können laut Antragsunterlagen bis zu 4.045 Kg Biogas gespeichert werden.

Wir sehen aufgrund der oben aufgeführten Randbedingungen (Zuverlässigkeit und Sicherheit der Anlage, Betrieb der Anlage) durchaus eine realistische Explosionsgefahr gegeben.

 Kohlenstoffdioxid  

Unter anderem enthält das Biogas wie bereits erwähnt 25-55% Kohlendioxid. Kohlendioxid ist ein geruchloses und schweres Gas, dass auch in geringen Dosen schon toxisch wirkt.

Je nach Vol.% in der Luft wirkt es unterschiedlich auf den menschlichen Körper. Nachfolgend ein Übersichtsbild: Quelle: Wikipedia

Symptome Kohlendioxidvergiftung

Kohlenstoffdioxid-Konzentrationen von 8 % können tödlich sein. Jeder hat sicher schon von Unfällen in Jauchegruben und Futtersilos gehört, in denen sich aufgrund z.B. schlechter Belüftung eine hohe Konzentration an Kohlendioxid in der Luft gebildet hat.

 Schwefelwasserstoff  

Der Schwefelwasserstoff (H2S) entsteht bei Biogasanlagen innerhalb des Vergärungsprozesses im Fermenter.  Verhindern kann man die Entstehung nicht, da die Bedingungen für die Entstehung von Methangas gleichzeitig auch die Bedingungen sind, damit aus Schwefel Schwefelwasserstoff entsteht.

Je nach Substrat ist die Konzentration von Schwefel unterschiedlich hoch und damit auch die daraus resultierende Schwefelwasserstoffkonzentration im Biogas. Sie liegt etwa zwischen 50 mg/m³ und 30 000 mg/m³. Silomais hat z.B. einen Schwefelgehalt von 800 mg S/kg. Gras hat einen geringen Schwefelgehalt von 100 mg S/kg. Der Schwefelgehalt von Hühnerkot oder auch von Schlachtabfällen ist um ein vielfaches höher. Da die Zusammensetzung des Hühnerkots oder auch der Schlachtfälle (im Eiweiß der Fleisches ist viel Schwefel enthalten) unterschiedlich ist, können wir hier keine fixen Werte nennen. (Quelle: www.h-2-s.de).

Nachfolgend einige Substrate mit einer Einteilung nach dem Schwefelgehalt

Substrate mit  niedrigem Schwefelgehalt:
Klee, Gras, Weizen, Bier, Molke, Kartoffeln, etc

Substrate mit mittlerem Schwefelgehalt:
Silomais, Zwiebeln, Stallmist, Gülle, Reis, etc.

Substrate mit hohem Schwefelgehalt:
Schlachtabfälle, Darmabfälle z.B. Hühnerkot, Proteinabfälle, Fisch, Hefe etc.

(Quelle: www.h-2-s.de).

Die EU Seveso II Richtlinie und die für deren Umsetzung zuständige “Störfallkommission beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit” hat konkrete Abstandsempfehlungen von Biogasanlagen zu Wohngebieten und wichtigen Verkehrswegen aufgrund der in diesen Anlagen entstehenden gefährlichen Schwefelwasserstoffverbindungen herausgegeben.

"Zum Schutz von Anwohnern empfiehlt die Störfall-Kommission für Anlagen, in denen sich mehr als 2 KG des hochgiftigen Gases Schwefelwasserstoff (H2S) befinden, einen Abstand von mindestens 800 Metern zu allen Gebieten, in denen Menschen wohnen, zu halten."

Mögliche Mengen an Schwefelwasserstoff in Biogasanlagen. Laut einer Studie der Bürgerinitiative Lohne (Quelle:www.lohne-wehrt-sich.de) enthält eine 1,5 MW Biogas-Anlage im Normalbetrieb zwischen 4 und 19 Kg Schwefelwasserstoff. Also gerundet eine bis zu 10 mal höhere Menge als die von der Störfallkommission angegebene Obergrenze von 2kg.

Die genehmigte Anlage in Melzdorf hat aktuell eine Größe von ca. 400 KW. Letztes Jahr waren es noch geplante 220KW.

Überschlägt man die Werte einfach mal, so scheint es, dass auch bei einer 400KW-Anlage 2KG Schwefelwasserstoff kein unrealistischer Wert ist.

Auch die Aussage, das lediglich Mais, GPS - Ganzpflanzensilage (Getreide) und Rindergülle in der Anlage vergoren werden ist zu hinterfragen. Eine Prüfung oder Kontrolle findet laut Aussage des Regierungspräsidium Kassel nicht statt. Es kann jederzeit eine Änderung der Inputstoffe erfolgen, die Bürger hätten bei derarten betrieblichen Änderungen kein Recht auf Einflussnahme. Gründe für eine Änderung der Inputtstoffe sind z.B. Änderungen der Rohstoffpreise. Kappung von Förderungen. Ansiedlung von Massentierhaltungen (man hat hier ja mal von einer geplanten Putenmastanlage zwischen Traisbach und Allmus gesprochen). Nicht berücksichtigt sind die Schlachtabfälle aus der Hofschlachtung etc..

Nachfolgend haben wir euch mal die 800m eingezeichnet. Damit Ihr mal ein Gefühl für die Entfernungen bekommt.

Sicherheitsabstand zu Biogasanlagen nach der Störfallverordnung 800m
So mehr Informationen haben wir aktuell nicht zu dem Thema. Entscheidet selbst wie hoch Ihr eine mögliche Gefährdung für das Sandfeld seht.
Was ist mit den Immobilienwertverlust. Kann man den beziffern, bzw. ist er überhaupt vorhanden?


Hier haben wir eine eindeutige Meinung: Ja der Wert von Immobilien in der Nähe von Biogas - Anlagen stürzt rapide ab. Argumentationen von Anlagenbetreibern und Befürwortern, dass Grundstücke in der Nähe von Biogasanlagen sogar an Wert gewinnen, aufgrund der möglichen Wärmenutzung aus sog. erneuerbaren Energien sehen wir als Augenwischerei an, um eine Verunsicherung zu erzeugen. Aktuell wird in den meisten Biogas-Anlagen die Wärme nicht mal genutzt und entweicht in die Atmosphäre. Wir prüfen mal ob wir hierzu noch ein paar Zahlen finden.

Wir finden in diesem Zusammenhang besonders den Bericht in der Wetterauer-Zeitung vom 10.06.2010 mit dem Titel: "Immobilien neben Biogasanlage können unverkäuflich werden" , als realistische Einschätzung der Sachlage.

Hier sieht ein Immobilienmakler aus München einen Immobilienwertverlust von 20 - 60 % als durchaus möglich an. Zitat: "....»Selbstverständlich hat die Realisierung solcher Vorhaben (elementare) Einflüsse auf Grundstücks- und Objektwerte in der angrenzenden Nachbarschaft.« Entfernungen
 mit prozentualen Abschlägen zu koppeln, sei jedoch schwierig, das komme auf die Topographie an...."

"....Potentielle Interessenten an Immobilien äußerten immer wieder Bedenken wegen fünf Begleiterscheinungen: mögliche Störfälle, Geruch bei der Anlieferung von Gülle, erhöhtes Verkehrsaufkommen, eventuelle Grundwasserverschmutzung und überhaupt schon der Blick auf die Anlage...."

".....Allein der Aspekt, dass viele mögliche Käufer schon grundsätzlich abwinkten, »und dies ungeachtet einer möglichen Kaufpreisreduzierung«, schränke die Interessentenzahl massiv ein. Je näher ein Grundstück an einer Anlage sei, desto schwieriger sei es zu verkaufen, das könne bis zur Unverkäuflichkeit gehen..."

Zusammengefasst sagen wir zum Thema Immobilienwertverlust:

  • Verkauf einer Immobilie ist nur unter Wert möglich. Wir würden sogar soweit gehen und sagen, es ist überhaupt nicht möglich ein Haus in direkter Nachbarschaft zu einer Biogasanlage zu verkaufen.
  • Für Besitzer eines Baugrundstückes gilt das gleiche wie beim Verkauf einer Immobilie.
  • Für Vermieter einer Wohnung, wird es schwierig einen Mieter zu finden. Auch die erzielbaren Mieteinnahmen werden sinken.
  • Als Vermieter kann man sich darauf einstellen, dass die Mieter vielleicht wegen einer Forderung nach Mietminderung vorsprechen.
  • Bedient man noch ein Darlehen, dann muss man nach Auslaufen der Zinsbindung bei einer Verlängerung mit Zinsaufschlägen rechnen.
Wie seht Ihr das Thema Gärreste - und Chronischer Botulismus, EHEC etc.. Können wir überhaupt im Sandfeld davon betroffen sein?


Unsere Meinung hierzu ist eindeutig, wenn es eine Gefährdung gibt (von der wir überzeugt sind), dann ist auch das Neubaugebiet in Almendorf gefährdet, da einige Ausbringungsflächen für die Gärreste keine 100 Meter entfernt sind. Siehe hierzu die gelb markierten Flächen im oberen Bild.

Damit Ihr euch aber ein eigenes Bild machen könnt, wollen wir euch folgende Themen näher erläutern: Chronischer Botulismus, EHEC, pflanzliche Krankheitserreger (z.B. Kartoffelkrebs), Antibiotika, Mastitisrisiko durch Gärreste und Grundwasserbelastung durch Nitrate.

Chronischer Botulismus:
Botulismus ist eine Erkrankung, die durch den Erreger Chlostridium Botulinum verursacht wird. Unter Luftabschluss und bei entsprechenden Temperaturen produziert dieser Erreger ein sehr starkes Gift, welches Nervenschäden und Lähmungserscheinungen auslöst bis hin zum Tod durch Atemlähmung. Diese akute Vergiftung wird meist durch verdorbene Lebensmittel ausgelöst. Der Erreger selbst ist überall in der Umgebung vorhanden und bedeutet keine unmittelbare Gefahr.

Das als chronischer Botulismus bezeichnete Krankheitsbild unterscheidet sich insofern, als das Gift nicht z.B. über Lebensmittel aufgenommen wird, sondern der Erreger sich im Darm einrichtet und von dort sein Gift in den Körper abgibt. Die Symptome dieser schleichenden Vergiftung sind, zumindest am Anfang, eher diffus und führen u.U. erst nach Jahren durch Lähmung des Schluckapparates oder der Atmung zum Tod.

In der Göttinger Erklärung weisen Tierärzte auf den Zusammenhang von Chronischer Botulismus und Biogasanlagen hin und fordern dringend Untersuchungen.

Auszug:"......(...) "Die Häufung der Erkrankungsfälle von chronischem Botulismus bei Tieren und Menschen zwingt uns Tierärzte, die wegen der intensiven Kontakte zum Patienten-Tier während der klinischen Untersuchungen die ersten sind, die sich mit den Erregern infizieren können, darauf aufmerksam zu machen, dass hier eine ständig wachsende Gefahr für unsere Tierbestände, für die Tierhalter und Betreuer, incl. Tiermediziner und die im Umland der mit Gärresten gedüngten Grünland- und Ackerflächen lebenden Menschen entsteht.

Das gesundheitliche Risiko, das von Biogasanlagen ausgeht, muss von den politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen zur Kenntnis genommen werden. Es besteht unbedingter Handlungsbedarf!

Wir Tierärzte fordern Forschungsprojekte, die sich mit diesen Risiken intensiv auseinandersetzen und Vorschläge zur Lösung des Problems erarbeiten......"

Die komplette Göttinger Erklärung finden Sie hier: http://ava1.de/pdf/ava_goettinger_erklaerung.pdf

Hier findet Ihr weitere Artikel und Berichte zum Thema Chronischer Botulismus und Biogas - Anlagen.

EHEC:  Im letzten Jahr gab es die EHEC Infektionswelle. In diesem Zusammenhang wurden auch immer wieder Biogasanlagen als mögliche Quelle genannt. Bis heute kann man diese Möglichkeit nicht ausschließen oder bejahen. Viele Fachleute und Wissenschaftler haben hierzu verschiedene Meinungen. Wir sehen die Argumentationen für eine mögliche Beteiligung als schlüssiger an. Über den folgenden Link gelangt Ihr zu ein paar Artikeln zum Thema: EHEC - Keime in Gärresten aus Biogasanlagen?

Pflanzliche Krankheitserreger:

Können gefährliche pflanzliche Krankheitserreger in Biogasanlagen überleben?

Dieser Frage gingen die Projektpartner - Humboldt-Universität zu

Berlin, Julius Kühn-Institut, Universität Rostock, Leibniz-Institut für Agrartechnik und die Bioenergie Beratung Bornim in Laborbiogasanlagen nach.

Deshalb wurde genau untersucht welchen Einfluss die anaerobe Vergärung in Laborbiogasanlagen auf die Abtötung der Schaderreger hat.

Die Studie kam zu folgendem Ergebnis:

  • Viele Erreger werden nach einer sechsstündigen Inkubation bei 37 Grad Celsius abgetötet.
  • Andere getestete pilzliche Erreger benötigten längere Inkubationszeiten und waren erst nach24 bzw. 138 Stunden komplett abgetötet. Bei den meisten Pathogenen führte die Lagerung der Gärreste zu einer Verringerung der Vermehrungsfähigkeit der Sporen. So wurden nachvierwöchiger Lagerung bei allen getesteten pilzlichen Erregern an Mais und Getreide keine lebensfähigen Schadpilze mehr festgestellt.
  • Auch die bakterielle Ringfäule an Kartoffel, ein weltweit gefürchteter, unter Quarantäne stehender Pilz, wurde untersucht. Zwar ist die wirtschaftliche Bedeutung der Kartoffel als „Nachwachsender Rohstoff“ gering, aber das Risikopotenzial, das von dieser Krankheit ausgeht, ist extrem hoch. Aus den bisherigen Ergebnissen lässt sich nicht ableiten, dass die anaerobe Vergärung eine risikofreie Variante zur Verwertung von Kartoffelpartien ist, die mit der bakteriellen Ringfäule befallen sind. Der Kartoffelkrebs, Synchytrium endobioticum, - ebenfalls unter Quarantänestehend - wurde selbst nach 138-stündiger Vergärung nicht vollständig inaktiviert. Auch eine anschließende Lagerung der Gärreste brachte keinen 100 %-igen Erfolg im Labor.

Quelle: http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Wissenschaft/Koennen-gefaehrliche-pflanzliche-Krankheitserreger-in-Biogasanlagen-ueberleben--_article1283821209.html

Unser Fazit: Pflanzliche Krankheitserreger können in Biogasanlagen überleben.


Mastitisrisiko durch Gärreste

Ein weiterer Hinweis, das Gärreste problematisch sein können.

Die Verwendung von Gärsubstratresten aus Biogasanlagen als Boxeinstreu kann das Risiko einer Mastitis-Infektion erhöhen. Dies zeigen Untersuchungen der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

Die Gärsubstratreste aus Maissilage, Ganzpflanzensilage, Grassilage und Rindergülle aus verschiedenen Biogasanlagen wurden nach der Trocknung mikrobiologisch untersucht.

Das Ergebnis: Alle Proben wiesen bereits im unbenutzten Zustand eine für Einstreu zu hohe Keimzahl auf. Vereinzelt waren die Grenzwerte schon im Ausgangsmaterial überschritten. Daher besteht bei Verwendung von Gärsubstratresten als Einstreu ein erhöhtes Mastitis-Risiko.

Quelle: http://www.topagrar.com/news/Rind-News-Gaerreste-steigern-Mastitis-Risiko-77600.html

Ach so, Mastitis ist eine Euterentzündung durch Bakterien.

Biogasanlagen und Antibiotika-Rückstände in Gärresten.

Wie auch bei anderen Themenschwerpunkten im Bereich der Biogasanlagen sind uns die Österreicher einen Schritt voraus und haben bereits den Einfluss von Arzneimittelwirkstoffen, insbesondere Antibiotika auf Biogasanlagen untersucht.

Dabei sind Sie zu folgenden Ergebnissen gekommen!

Die verbleibenden Gärrückstände enthalten oft hohe Dosen von Antibiotika, belegt eine Studie des Umweltbundesamtes in Wien.

Seit 2007 haben Umweltbundesamt, Österreichische Arzneimittelagentur (AGES) und Universität für Bodenkultur in Labor- und Freilandversuchen die Antibiotika-Belastung der Gülle und der ebenfalls zur Düngung verwendeten Gärrückstände in Biogasanlagen untersucht.Studie wurde in 2010 veröffentlicht.

Nun liegt das Ergebnis vor: Mit bis zu 770 mg Arzneisubstanzen pro Kilo waren die untersuchten Proben belastet.

Die Substanzen können sich auch im Boden anreichern. Dann gelangen sie ins Grundwasser und auf diesem Weg in unser Trinkwasser. Auch die Vegetation nimmt die Stoffe auf, „allerdings nur in geringer Konzentration.“ Das Problem sei in Österreich derzeit noch kleiner als etwa in Deutschland oder der Schweiz.

Quelle - Artikel: Nachrichten.at  Link: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/art4,484635

Komplette Untersuchung (52-Seiten): Umweltbundesamt: Antibiotika und Biogasanlagen – Abbauverhalten und Einfluss auf die Biogasproduktion
Link: http://www.baufachinformation.de/literatur.jsp?bu=2010119008376

Unser Fazit: Die hohen Werte von Österreich werden wir wahrscheinlich noch toppen können. Die Gefahr der Bildung von Resistenzen (Antibiotika) sehen wir als gegeben an.

Grundwasserbelastung durch Nitrate in Gülle und Gärresten

Etwa 66 % des Trinkwassers in Deutschland stammt aus dem Grundwasser. Damit ist das Grundwasser der wichtigste Lieferant für unser Trinkwasser.

Da beim Anbau von Mais häufig übermäßig gedüngt wird und bei der Vergärung in Biogasanlagen nur der Kohlenstoff entzogen wird, landen die meisten Teile irgendwann über die Gärreste im Grundwasser. Auf diese Risiken weisen bereits mehrere Wasserverbände hin und schlagen Alarm.

In vielen Gemeinden sind die Grenzwerte von 50 mg NO3-/Liter bereits weit überschritten.

Nitratbelastung des Grundwassers  Quelle: wikipedia.de

"....Nitrat (NO3-) ist im Trinkwasser unerwünscht, weil es unter bestimmten Umständen in das gesundheitlich bedenkliche Nitrit umgewandelt wird. Es kann mit sekundären Aminen (Ammoniakbasen), die in der Nahrung vorkommen oder bei der Verdauung entstehen, Nitrosamine bilden. Von diesen zählen einige zu den krebserregenden Stoffen. Um die gesundheitlichen Risiken weitgehend auszuschließen, sollen die Nitratgehalte im Trinkwasser möglichst niedrig sein. Der Grenzwert für den Nitratgehalt im Trinkwasser wurde 1991 mit der EG-Richtlinie 91/676/EWG auf 50 mg NO3-/Liter festgesetzt. Dieser Grenzwert kann bei unsachgemäßer Düngung, insbesondere auf leichten, durchlässigen Böden überschritten werden. Grundwasser enthält von Natur aus meistens weniger als 10 mg NO3-/Liter...."

Über nachfolgenden Link gelangt Ihr zu ein paar Artikel zum Thema Nitratbelastung und deren Gefährlichkeit für die Menschen und insbesondere auch für Säuglinge.

Grundwasserbelastung mit Nitrat

Wie schätzt Ihr eine mögliche Trink- bzw. Grundwasserbelastung bei uns ein?

 

Bereits Ende letzten Jahres wurde das Trinkwasser mehrere Wochen gechlort, da verschiedene Grenzwerte überschritten waren. Leider wurden damals keine weiteren Angaben gemacht. Ab dem 20.08.2012 wird unser Trinkwasser wieder gechlort, weil bei Kontrollen der Trinkwasseranlagen Überschreitungen des Grenzwerte für den Erreger Escherichia coli festgestellt worden sind.

Den Artikel hierzu findet Ihr hier: http://www.fuldaerzeitung.de/nachrichten/fulda-und-region/Fulda-Grenzwert-ueberschritten-Trinkwasser-wird-gechlort;art25,609274

Vom Erreger Escherichia coli gibt es verschiedene Stämme. Völlig ungefährliche und auch für Mensch und Tier gefährliche Stämme wie z.B. bestimmte EHEC-Varianten.

Nähere Aussagen gibt es aktuell nicht. Die Erreger gelangen vor allem aus menschlichen oder tierischen Fäkalien ins Wasser.

Eine zusätzliche Biogasanlage wird sich nach unserer Ansicht sicher nicht positiv auf die Gesamtsituation auswirken.

Wie seht Ihr mögliche Gesundheitsgefährdungen durch Ammoniak, Formaldehyd, Endotoxine, etc. ?


Hier ist eine einfache Antwort nicht möglich, da die Zusammenhänge und Randbedingungen komplex und schwierig sind. Da eine Gefährdung aber auch nicht einfach auszuschließen ist, gehen wir davon aus das diese auch wirklich vorhanden ist. Wir nennen euch im folgenden die uns vorliegenden Fakten und Ihr müßt selbst entscheiden, ob ihr eine mögliche Gesundheitsgefährdung für euch seht.

1. Ammoniak

Ammoniak NH3 wird vor allem von Gülle freigesetzt. Ammoniak ist leichter als Luft und verteilt sich schnell in der Luft. Es wirkt ätzend und reizt Haut, Augen und Atemwege. Wird man über längere Zeit einer erhöhten Konzentration ausgesetzt kann es sogar zu Lungenschädigungen kommen.

Weitere Symptome einer Ammoniakvergiftungen seht ihr im folgenden Bild.

Aber nicht nur wir Menschen und natürlich auch die Nutztiere können davon betroffen sein.

Viele Tausende von toten Fischen durch havarierte Biogasanlagen sind ein eindeutiger Beweis, dass Ammoniak durchaus gefährlich ist.

Ammoniak ist nämlich gut wasserlöslich und Fische vertragen in der Regel keine hohen Dosierungen von Ammoniak.

Ein Bericht wie das dann aussieht findet Ihr hier:  Biogasskandal in Niedersachsen

Ammoniak tritt aber nicht nur in der Umluft bei der Lagerung und dem verbringen der Reststoffe auf die umliegenden Äcker auf, sondern ist auch im Abgas der Verbrennungsmotoren vorhanden. Wird jetzt in einer Anlage z.B. Geflügelkot vergärt sind die Ammoniakwerte in der Regel auch im Abgas des Blockheizkraftwerks hoch. Grenzwerte sind in der TA Luft aufgeführt.

2. Formaldehyd

Formaldehyd ist wie allseits bewiesen ein krebserregender Stoff. Er entsteht bei einer Biogasanlage durch die unvollständige Verbrennung des Methangases.

In vielen Messungen wurde ermittelt, dass viele der Biogasanlagen die erlaubten Grenzwerte nicht einhalten.

http://www.topagrar.com/archiv/Formaldehyd-Kaum-ein-BHKW-haelt-Grenzwert-ein-198724.html

Auch gelten für viele Biogasanlagen überhaupt keine Grenzwerte wie in einem NDR Fernsehbeitrag am 19.06.2012 berichtet wurde. Leider steht dieser Beitrag nicht mehr im Netz. Man findet nur ein Kurzkommentar dazu.

Diesen könnt ihr aber über folgenden Link lesen.

Giftstoffe aus Biogasanlagen

Es gibt zwar Filtertechnologien, die sind aber nach unserer Recherche recht teuer und sehr empfindlich gegenüber Schwefelwasserstoff. Im EEG2009 wurden die Anlagen staatlich extra gefördert, welche durch Filter bestimmte Grenzwerte an Formaldehydemissionen einhielten. Die Praxis sah aber oft so aus, dass die Filter zwar angeschafft wurden, aber erst eingebaut wurden, wenn sich eine Kontrolle ankündigte. Danach wurden Sie wieder ausgebaut. Das lag an den bereits erwähnten hohen Kosten und der hohen Empfindlichkeit in Bezug auf Schwefelwasserstoff. Im neuen EEG2012 wird dieser Bonus nicht mehr gewährt.

Im Hinblick auf die geplante Anlage ist auch dieser Punkt noch völlig offen, man sollte aber von krebserregenden Emissionen ausgehen. Inwieweit diese Emissionen dann über den Schornstein bis ins Neubaugebiet "Am Sandfeld" gelangen und ob diese Emissionen für Eure Kaufentscheidung überhaupt eine Rolle spielen, müßt Ihr wiederum ganz alleine für euch entscheiden.

3. Endotoxine

Mögliche Erkrankungen durch Endotoxine: Endotoxine sind u.a. verantwortlich für Atemwegserkrankungen, Einschränkung der Lungenfunktion, chronische Bronchitis, Entzündungen der Atemwege und Fieber.

Was sind Endotoxine: Definition aus Wikipedia:

Endotoxine sind Bestandteil der äußeren Zellmembran (OM = outer membrane) von gramnegativen Bakterien oder Cyanobakterien. Chemisch sind es Lipopolysaccharide (LPS), die aus einem hydrophilen Polysaccharid- und einem lipophilen Lipidanteil aufgebaut sind. Im Gegensatz zu den Bakterien, aus denen sie stammen, sind Endotoxine sehr hitzestabil und überstehen sogar die Sterilisation.

Etwas allgemeiner und einfacher: Endotoxine sind eine Klasse biochemischer Stoffe. Sie sind Zerfallsprodukte von Bakterien, die im Menschen zahlreiche physiologische Reaktionen auslösen können.

Die Entstehung von Endotoxine wollen wir euch anhand einer Schweinezucht mal kurz erklären (Quelle: Gesundheitsamt Baden Württemberg):

"Auszug:"....Stallstäube bestehen aus einer Vielzahl belebter und unbelebter Substanzen.
Es handelt sich dabei um Futtermittelbestandteile, Fäkalien, Urin, Tierepithelien, Schimmelpilze, Pollen, Milben, Endotoxine, Ammoniak und Infektionserreger (Bakterien, Pilze, Viren). Wegen der besonderen gesundheitlichen Bedeutung für die Atemwege der Landwirte gilt im folgenden das Augenmerk den bakteriellen Bestandteilen des Stallstaubes, den dort vorkommenden Endotoxinen, den wichtigsten Berufsallergenen und den Gasen...."

Auszug:"...Endotoxine sind Bestandteile der Zellwand gramnegativer Bakterien. Zerfallen gramnegative Bakterien beim Austrocknen des Materials, so werden hochmolekulare Komplexe aus einer Polysaccharid-, einer Protein- und einer Lipidkomponente frei. Bei diesen sog. Endotoxinen handelt es sich um biologisch hochaktive Verbindungen. Endotoxine sind in Schweineställen praktisch immer nachweisbar, meistens im Bereich von 50 bis 200 ng/m³ mit Höchstwerten von 2000 ng/m³. Darüber hinaus können noch eine Reihe anderer biologisch sehr wirksamer Substanzen - wie Glucane, Glykane und Mykotoxine - auftreten....."

Ähnlich verhält es sich bei der Massentierhaltung im Bereich der Geflügelmast. Hier ist ja in den letzten Monaten vieles durch die Presse gegangen. Eine niederländische Studie hat sich damit beschäftigt. Den Artikel hierzu könnt Ihr hier lesen: Geht von Agrarfabriken ein Gesundheitsrisiko aus?

Hierbei wurde auch die Umgebungsluft der Agrarfabriken untersucht. Auszug:  Außerdem wurde die Luft in 500 bis 1.000 Meter Entfernung rund um die Ställe beprobt. Im Ergebnis wurden deutlich höhere Konzentrationen von Feinstaub in der Nähe von Intensivtierhaltungen von Geflügel, Schweinen und auch Ziegen festgestellt, ebenso erhöhte Werte von Endotoxinen und von viehspezifischen MRSA-Bakterien in einem Radius von 1.000 Metern. Vor allem in der Nähe von Geflügelställen könnten diese Endotoxine laut Studie zu Beeinträchtigungen der Atmungsorgane führen...."

Unser Fazit zum Thema Endotoxine:

Eine Methangasfabrik (Biogas - Anlage), ist keine Agrarfabrik (u.a. Hähnchenmastanlage).

Aber:

  • In der Biogasanlage werden die Reststoffe aus der Tierhaltung (wie oben beschrieben) vergärt.
  • Welche Gärsubstrate in der Biogasanlage verarbeitet werden dürfen ist zwar in der Genehmigung der Anlage aufgeführt. Diese können aber jederzeit geändert werden. Von Seiten der Genehmigungsbehörde werden hierzu keine Kontrollen durchgeführt.
  • Endotoxine sind hitzebeständig. Eine mesophile Biogasanlage wird mit einer Fermentertemperatur von 30°C bis 40°C betrieben. Das hat also keinen Einfluss auf die Endotoxine.
  • Die Gärreste (inkl. der evtl. enthaltenen Endotoxinen) werden u.a. auf den oben gelb gekennzeichnenden Flächen ausgebracht. Gerade mal 100 m vom Wohnbereich, bzw. vom Neubaugebiet "Am Sandfeld" entfernt.

Jetzt müßt ihr wieder selbst entscheiden, ob dieser Punkt für euch relevant ist.

Was wir noch gar nicht näher betrachtet haben ist die ganze Feinstaubproblematik. Das werden wir aber bei Gelegenheit auch noch nachholen.

Wird die Biogasanlage jetzt wirklich dort gebaut?


Hier hat uns die Realität schon eingeholt. Die Bug GbR hat bereits mit den Bauarbeiten für die geplante Biogasanlage begonnen. Nach unserer Einschätzung setzten die angehenden Betreiber ihren Bauplan weiter ohne Rücksicht auf die Gesundheit und das Eigentum der Nachbarschaft und natürlich auf Kosten der Umwelt (Tank statt Teller) um, ganz nach dem „Null-Toleranz“-Prinzip.

Wir werden natürlich weiterhin versuchen dies zu verhindern.

Das Bild zeigt den Anfang der Bauarbeiten an der Agro-Methangasfabrik in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung in Melzdorf.
Könnt Ihr die Biogasanlage jetzt noch verhindern, obwohl bereits eine endgültige Baugenehmigung durch das RP Kassel erteilt wurde?

 

Wenn wir euch diese Frage beantworten könnten, wären wir wohl Hellseher. Wir sehen aber gute Chancen. Nach unserer Einschätzung ist die Baugenehmigung nicht rechtens. Deshalb haben wir ja bereits schon vor längerer Zeit Klage gegen die Baugenehmigung eingereicht. Dieses Verfahren ist noch offen. Da die angehenden Betreiber trotz des offenen Verfahrens aber schon mit dem Bauen der Anlage begonnen haben, blieb uns keine andere Wahl als einen Eilantrag auf Baustopp einzureichen. Hierzu demnächst mehr an anderer Stelle auf unserer Homepage. Wir hoffen, dass wir euch damit alle Fragen beantwortet haben. Sollten noch welche offen sein. Bitte schreibt uns eine kurze E-Mail oder ruft uns an.

Viele Grüße

Die Bürgerinitiative Melzdorf