News zur Bürgerinitiative Melzdorf




  
News zur Bürgerinitiative

 
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Melzdorfer Bürgerinitiative auf Bundestreffen

22.11.2010 - Vertreten waren auch die anderen hessischen Brennpunkte Frankenberg, Grüsselbach und Hofaschenbach. Bundesweite „Initiativen mit Weitblick“ wollen politischen Druck erhöhen, um klimaschädliche,

planwirtschaftliche und ethisch bedenkliche Subventionspolitik zu stoppen.

Melzdorf, 22. November 2010 - Die Melzdorfer Bürgerinitiative, die den geplanten Bau einer Methangasanlage in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung bis jetzt verhindert hat und weiter verhindern will, hat am vergangenen Wochenende auf einem bundesweiten Treffen der „Initiativen mit Weitblick“ teilgenommen. Ziel des Treffens im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge war, Fortschritte der jeweiligen Aktivitäten gegen die Ausbreitung der Produktion von Biogas aus Nahrungsmitteln zu diskutieren.

Auf dem Treffen am 20. November 2010 äußerte sich der britische Agrarexperte Dr. Donal Murphy-Bokern (http://www.murphy-bokern.com) über die negativen Auswirkungen der Bioenergie-Subventionspolitik in Deutschland. „Es ist mittlerweile Konsens in der Wissenschaft, dass die Produktion von Bioenergie auf Basis von Lebensmittelpflanzen klimaschädlich ist. Durch Grünlandumbruch, Überdüngung und den pflanzlichen Stickstoffkreislauf werden in großen Mengen klimaschädliche Treibhausgase freigesetzt. Ackerflächen, die für die Nahrungsproduktion ausfallen, müssen an anderer Stelle ersetzt werden“, führte Dr. Murphy-Bokern aus. Als unabhängiger Agrarexperte schreibt er Fachstudien und Expertisen für unterschiedliche Organisationen, wie zum Beispiel die weltweit größte Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature, http://www.panda.org) und das beratende Fachgremium „Committee on Climate Change“ (http://www.theccc.org.uk) der britischen Regierung.

Zuvor war Dr. Murphy-Bokern beim britischen Ministerium für Umwelt, Ernährung und ländliche Belange (Defra, http://www.defra.gov.uk) in Westminster, London, beschäftigt und arbeitete von 1993 bis 1998 für das deutsche Landwirtschaftsministerium im Johann Heinrich von Thünen-

Institut in Braunschweig. Dr. Murphy-Bokern weiter: „Nur in Deutschland sind Lebensmittel der Hauptrohstoff für Biogasanlagen, obwohl bundeseigene Forschungen vor dieser Fehlentwicklung gewarnt haben. In anderen Ländern wird Bio-Methangas fast ausschließlich aus Abwässern von Kläranlagen, pflanzlichen Reststoffen oder anderen Abfällen erzeugt.“

„Den politischen Druck erhöhen“
Deutschlandweit gehören der im Frühjahr gegründeten Kooperation „Initiativen mit Weitblick“ (http.//www.initiativen-mit-weitblick.de) inzwischen 25 Bürgerinitiativen an. Sie kämpfen gegen den Bau weiterer Anlagen zur Herstellung von Methangas, die hierzulande zu einer klimaschädlichen Technologie mit hohen Wirtschafts- und Umweltkosten geworden sind. Nach Auffassung der Bürgerinitiativen sinkt nicht nur die Lebensqualität in den betroffenen Regionen, sondern die Auswirkungen einer fehlgeschlagenen Politik sind auch durch die Verschwendung von Steuergeldern und Ressourcen gekennzeichnet. Zukünftig wollen die kooperierenden Bürgervertretungen den politischen Druck auf die verantwortlichen Entscheidungsträger erhöhen, denn klimaschädliches Biogas aus Nahrungsmitteln kann nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Auf dem Treffen im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge betonten die Initiativen mit Weitblick, dass sie jetzt politische Taten sehen wollen. Dazu gehören demnach ein Baustopp für alle Methangasanlagen, die auf der Basis nachwachsender Rohstoffe (Nawaro-Anlagen) arbeiten, der Wegfall des Nawaro-Bonus und eine Ausrichtung der Fördergelder alleine nach dem Umfang der Treibhausgasminderung. Die für den 1. Januar 2012 angekündigte Änderung des „Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien“ (EEG) kommt indes zu spät, denn sie gibt der Biogas-Lobby ein volles Jahr Zeit, der Wirtschaft und Umwelt weiteren Schaden zuzufügen, mit langfristig negativen Konsequenzen für die Bemühungen um den Klimaschutz.

Das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG)
Das am 1. April 2000 beschlossene und nach mehrfachen Änderungen zuletzt rückwirkend zum 1. Juli 2010 revidierte „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien“ (EEG) definiert Anlagen zur Herstellung von Methangas, die auf Basis nachwachsender Rohstoffe arbeiten, als „Biogasanlagen“. Bio-Methangas wird hergestellt, indem Biomasse ohne Sauerstoffzufuhr zersetzt wird. In den Fermentern solcher Betriebe entsteht neben Methan und Kohlendioxid auch hochgiftiger Schwefelwasserstoff.

Über die Bürgerinitiative Melzdorf
Im Mai 2010 haben besorgte Anwohner aus Melzdorf eine Bürgerinitiative gegründet, die den geplanten Bau einer Bio-Methan-Gasanlage in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung verhindern soll. Die Initiative will über die Langzeitfolgen eines solchen Projektes informieren und Widerstand leisten, damit nicht Einzelne auf Kosten der Allgemeinheit profitieren. Neben gesundheitlichen Gefahren für die Bevölkerung (z.B. Botulismus) geraten solche Industrieanlagen immer stärker wegen negativer Auswirkungen auf Fauna und Flora (z.B. Monokultur, Artensterben und Grundwasserbelastung) in die Kritik. Nicht zuletzt wegen hoher staatlicher Subventionen verletzen Bio-Methan-Gasanlagen das Prinzip nachhaltiger Wirtschaftlichkeit. Hohe volkswirtschaftliche Opportunitätskosten durch Subventionen bedeutet, dass diese finanziellen Mittel für effektivere Energie- und Klimaschutzmaßnahmen fehlen.


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